Nutzungskonzept

Grundstück. Brühler Str. 28
Flur: 54, Flurstück(e): 502

Auf dem Grundstück in der Brühler Str. 28 soll für den Verein (Al-Muhajirin Moschee in Bonn e.V.) ein Gemeindehaus (eine Moschee) errichtet werden, welches sowohl die Erfüllung religiöser Pflichten ermöglicht, als auch zur Kontaktpflege, Fortbildung und Anlaufstelle für den interreligiösen Dialog dienen soll.

Nach den Vorstellungen der Gemeinde soll das zu errichtende Gebäude folgende Funktionen erfüllen:
Einerseits müssen die für das Gemeindeleben notwendigen Angebote religiöser Praxis ermöglicht werden. Dazu gehören die täglichen Gebete ebenso wie das Freitagsgebet sowie die Festgebete. Hiermit verbunden sind Angebote zur religiösen Information und Schulung, um die Glaubenspraxis im Alltag den religiösen Vorgaben entsprechend umsetzen zu können. Da sich die Moscheegemeinde Generationen übergreifend aus einem breiten Spektrum muslimischer Familien und Einzelpersonen zusammensetzt, müssen neben allgemeinen religiösen Aktivitäten auch zielgruppenspezifische Angebote ermöglicht werden, die dem Selbstverständnis einer Moschee als Ort der Gottesanbetung und religiöser Praxis ebenso wie als Ort der sozialen Begegnung und des Austauschs gerecht werden:

  • Kinder sollen frühzeitig an den Glauben und die religiösen Praxen herangeführt werden im Rahmen altersgerechter Unterweisung (vergleichbar z. B. dem Kindergottesdienst oder dem Kommunionsuntericht christlicher Gemeinden).
  • Jugendliche sollen sich in der Gemeinde aufgehoben fühlen durch altersspezifische Formen der Teilnahme am Gemeindeleben und der Einbindung in die Gestaltung ihrer Angebote (vgl. Teestube, Lesekreise, gemeinschaftsfördernde Freizeitgestaltung etc.).
  • Frauen sollen im Rahmen der Gemeinde Raum für ihre spezifischen Bedürfnisse nach Austausch und Information haben und die Frauenarbeit der Gemeinde eigenständig gestalten.
  • Ältere Gemeindemitglieder sollen die Möglichkeit haben, die Moschee und ihre Räumlichkeiten als Anlaufstelle für religiösen und sozialen Austausch, Information und Geselligkeit zu nutzen.

Andererseits versteht sich die Moscheegemeinde mit ihren Mitgliedern als Teil der Bonner Community und möchte sich daher über die muslimische Gemeindearbeit im engeren Sinne hinaus öffnen für Dialog und Austausch sowie für integrationsfördernde Angebote, insbesondere mit Blick auf den Bedarf im beabsichtigten Standort der Moschee im Bonner Stadtteil Tannenbusch. Insofern können Integration und Dialog fördernde Angebote in der Moschee dazu beitragen, vor allem bei muslimischen Mitbürgern und Mitbürgerinnen das Interesse und die Teilnahme an bestehenden Beratungs-, Informations- und Bildungsangeboten der Stadt Bonn zu wecken und auszuweiten wie auch Ansätze für neue gemeinsame Angebote zu entwickeln und umzusetzen. Hier kann sich der Verein in Kooperation mit kommunalen Stellen und weiteren Trägern und Fachkräften z. B. folgende Angebote vorstellen:

  • Angebote zur Sprachenförderung, Deutschkurse für unterschiedliche Zielgruppen (Frauen, ältere Muslime und Musliminnen, Schüler und Schülerinnen, Auszubildende etc.) sowie Angebote zur Hausaufgabenhilfe, z. B. in Zusammenarbeit mit VHS, anderen Trägern und Fachkräften;
  • Angebote zur Integrationsförderung durch Informationen über Gewaltprävention und Drogen (Polizei), Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten (Arbeitsamt), Altenhilfe (Sozialamt), Schul- und Bildungssystem (Jugendamt/Schulamt), Elternbildung und Stärkung der Erziehungskompetenz (freie Träger und pädagogische Fachkräfte);
  • Angebote zur Förderung des Dialogs und des interreligiösen Zusammenlebens wie Gesprächskreise, Diskussionsveranstaltungen und Workshops, z. B. in Zusammenarbeit mit dem Bonner Arbeitskreis MuChri sowie mit Vertretern und Vertreterinnen der verschiedenen Religionsgemeinschaften;
  • Angebote zur Freizeitgestaltung, die muslimische und andere Kinder und Jugendliche, vor allem im Stadtteil, interessieren und bestehende Angebote nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen können. Der Verein möchte hier Verantwortung übernehmen und im Rahmen seiner Möglichkeiten sowie im Austausch mit anderen Trägern und Fachkräften Ideen für sinnvolle Freizeit- und Bildungsangebote entwickeln.

Für die Gestaltung dieser integrationsfördernden und dialogorientierten Angebote ist der Verein an einer intensiven und konstruktiven Zusammenarbeit mit Vertretern der Kirchen, der Verwaltung und weiteren engagierten Einzelpersonen interessiert, denen der unbestreitbare Förderbedarf im Ortsteil am Herzen liegt und die sich – wie der Verein – in der Pflicht sehen, diesem Zustand im Rahmen der räumlichen Möglichkeiten ein Stück weit entgegenzuwirken. Für die Art, Struktur und Rechtsfähigkeit eines dafür zu schaffenden Gremiums ist der Verein offen. Wichtig ist ihm jedoch eine verbindliche Struktur und Aufgabenbeschreibung (s. Grundsatzerklärung).
Der Verein möchte mit den neben den religiösen Funktionen im Gemeindehaus (Moschee) in Bonn-Tannenbusch möglichen Angeboten dazu beitragen, gemeinsame Interessen und Kompetenzen zu bündeln, insbesondere für die im Stadtteil notwendige Jugendarbeit sowie für die Erwachsenenbildung. So sollen alle Angebote der Moschee offen genutzt werden können; zugleich informiert auch die Moschee über die Angebote zur Integrationsförderung und Information ihrer Kooperationspartner und weiterer Träger.

Die geplante Struktur der Räumlichkeiten ermöglicht die genannten Angebote. Erfahrungen der Gemeindearbeit zeigen, dass neben funktionsbezogenen Räumen auch multifunktionale Räume vorhanden sein müssen, da unterschiedliche Aktivitäten aus zeitlichen Gründen der Teilnehmer (Beruf, Schule, Familie) vereinzelt parallel angeboten werden müssen. So können Sprachkurse oder Hausaufgabenbetreuung stattfinden, während zugleich ein Angebot für einen Mutter-Kind-Kurs sowie eine Informationsveranstaltung für Jugendliche durchgeführt werden. Neben den kontinuierlichen Angeboten soll das Gemeindehaus aber auch die Möglichkeit bieten, zu besonderen Anlässen als Ort der Begegnung, des Feierns und des Austauschs zu dienen. Zu einem aktiven Gemeindeleben zählen auch die großen Festtage, Hochzeiten und größere Veranstaltungen, für die angemessene Räumlichkeiten – wie auch in christlichen Gemeindehäusern – notwendig sind.
Der Verein sichert zu, dass sämtliche Räumlichkeiten auf dem Gelände Jedermann zugänglich sind. Es besteht die Möglichkeit, sich jederzeit über die Aktivitäten zu informieren und das Gebäude zu besichtigen. Einzig die Hausordnung (hier: striktes Alkohol-, Drogen- und Rauchverbot und Ausziehen der Schuhe im Gebetsbereich) ist hierbei zu beachten.

1. Gebetsraum

Der Gebetsraum soll die Möglichkeit bieten, die täglichen Gebete, das Freitagsgebet, sowie Festgebete zu verrichten. Er ist vollständig mit Teppichböden ausgelegt und außerdem mit einem Predigtstuhl, einer Gebetsnische und einer Kanzel ausgestattet…

2. Multifunktionsraum

Der Multifunktionsraum hat zwei Bereiche, die durch Faltwände aufgeteilt werden können. Der Aufenthaltsbereich dient dazu, den Besuchern nach dem Gebet die Möglichkeit zu bieten, sich nach dem Gebet informell auszutauschen. Für diesen Raum wird eine kleine Küche benötigt, in der die Zubereitung heißer Getränke möglich ist. Eine kleine Leseecke soll einen Teil des Raumes einnehmen…

3. Frauen-Hobbyraum

Dieser Raum bietet den Besucherinnen eine Möglichkeit für informelle Treffen außerhalb der Gebetszeiten. Geplant sind Sitzgruppen, damit die Besucherinnen nach dem Gebet (der Gebetsraum für Frauen befindet sich ebenfalls im 1. Stock (Empore)) Gelegenheit zum Austausch haben. Für die Zubereitung heißer Getränke soll eine kleine Küche im Raum Platz finden. Der Raum soll auch nach Bedarf und Angebot für Fortbildungsveranstaltungen (Sprache, Beruf, Gesellschaftskunde) erwachsener Frauen ungeachtet ihrer Religionszugehörigkeit genutzt werden. Die Fläche soll darüber hinaus für künstlerische Seminare und Aktivitäten (Kaligraphie, Handwerk und Stoffkunde) genutzt werden, da insbesondere bei jungen Frauen eine große Nachfrage kreativer Entfaltung vorhanden ist und die Förderung ihres künstlerischen Potentials für die Moscheegemeinde ein wichtiges Anliegen darstellt…

4. WC / Waschraum für Frauen

5. WC / Waschraum für Männer

6. Bildungsbereich – Unterrichtsräume für religiöse Unterweisung und Nachhilfeunterricht

Für den Bildungsbereich sollen vier Unterrichtsräume von jeweils 27 qm errichtet werden, die sowohl für Sprach- und Nachhilfeunterricht als auch für Fortbildungen und Vorträge in kleinen Gruppen vorgesehen sind. Die Räume werden auch für die Moscheejugend zur Vermittlung der religiösen Glaubensinhalte genutzt. Für die Verrichtung des rituellen Pflichtgebets ist das Erlernen einiger elementarer Kapitel (Suren) des Korans in Arabisch unabdingbar, da das rituelle Gebet ausschließlich in Arabisch überwiegend durch die Rezitation des Korans gebetet wird. Daher erlernen Muslime weltweit etwa ab dem Grundschulalter das Lesen der arabischen Sprache und die Regeln der (vom Umgangsarabischen abweichenden Aussprache) Koranrezitation. Die weiter für das Gebet erforderlichen Elemente des Bittgebets und der Segenswünsche erfolgen ebenfalls in Arabisch. Grundkenntnisse des Arabischen und seiner Grammatik sowie die Regeln der Rezitation sind damit der Zugang zum Gebet und werden daher – ausnahmslos – in Grundzügen von jeder Moscheegemeinde unterrichtet. Daneben wird der Umgang mit den Quellen der Religion (Koran und Überlieferungen des Propheten (Ahadith)) vermittelt. Aus dem Selbstverständnis aller Religionen werden die Glaubensinhalte und ihre Quellen von jeder Glaubensgemeinschaft in Kirchen, Synagogen, Tempeln und Moscheen vermittelt. Neben der religiösen Nutzung der Unterrichtsräume soll dort auch Nachhilfeunterricht für verschieden Fächer angeboten werden. Vorrangiges Ziel ist hierbei, die bei Migrantenkindern vorhandenen schulischen Defizite abzubauen. Das Nachhilfeangebot beschränkt sich jedoch nicht auf Migrantenkinder, es steht grundsätzlich bei Bedarf und Nachfrage allen Schülern mit Defiziten zur Verfügung…

7. Begegnungs- und Konferenzraum

Ein Raum als Begegnungs- und Konferenzraum stand von Anbeginn der Planung des Moscheebaus Brühler Straße im Mittelpunkt der Themenfelder „Interreligiöser Dialog“ und „Gesellschaft und Soziales“ als Ort der Begegnung und Verständigung. Der Moscheeverein hatte bislang aufgrund seiner äußerst beengten Platzverhältnisse nicht die Möglichkeit, die Einladungen zum Dialog zu erwidern und möchte selbst einen angemessenen und ansprechenden Raum anbieten. Er möchte selbst zu Gesprächen und Begegnungen im engen räumlichen Zusammenhang mit der Moschee als Gebetsstätte einladen und den Gästen eine angenehme und offene Atmosphäre schaffen. Daher wurde auf die Lage des Konferenzraumes besonderes Gewicht gelegt. Er befindet sich unmittelbar neben dem Foyer unterhalb einer von zwei geplanten Nebenkuppeln. Diese werden (wie die Hauptkuppel über dem Gebetsraum) als echte Lichtkuppeln für eine hohe Lichtausbeute sorgen (von oben einfallendes Tageslicht bietet bis zu fünfmal soviel Helligkeit wie Licht, das seitlich durch ein Fenster in den Raum eindringt) und damit dem Eingangsbereich und den gesamten oberen Foyerbereich eine aufhellende Atmosphäre bieten…
Der Verein wird den Konferenzraum gerne für soziale und gesellschaftliche Informations- und Diskussionsveranstaltungen zur Verfügung stellen. Einzig die Beachtung der Hausordnung (hier: Alkohol-, Drogen- und Rauchverbot, Wahrung der Würde der Moschee) ist sicherzustellen…

8. Büro – und Gemeindeverwaltung

10. Wohnungen (für den Hausmeister und für den Vorbeter)

Der Vorbeter und der Hausmeister sind zwei Personen, deren Anwesenheit in der geplanten Einrichtung ohne zeitliche Begrenzung erforderlich ist. …
Die Tätigkeiten sind mit den Aufgaben der in § 8 Abs. 3 Nr. 1 BauNVO NRW genannten Aufsichtspersonen und Betriebsleiter vergleichbar. Aus diesem Grunde sollen zwei Wohnungen errichtet werden, damit die Funktionsfähigkeit der geplanten Einrichtung aufrecht erhalten werden kann.

11. Festsaal für religiöse Feste

Der geplante Festsaal dient primär für religiöse Feierlichkeiten unterschiedlicher Art. Das wichtigste religiöse Fest ist das Opferfest, das zum Gedenken an Abraham und seinen Sohn Ismail gefeiert wird. Die Feier besteht neben dem Gottesdienst aus ausgiebigem Speisen. Das zweite große Fest markiert das Ende des Fastenmonat Ramadan, in dessen Verlauf man während des Tages weder Nahrung noch Getränke zu sich nehmen darf. Täglich wird in diesem Monat das Fastenbrechen unter Beteiligung vieler Gemeindemitglieder, Männer wie Frauen, begangen. Am Ende des Fastenmonats wird das Ramadanfest gefeiert. Darüber hinaus gibt es weitere Feste wie etwa Hochzeiten, Geburtsfeiern etc., die einen religiösen Charakter haben und nach religiösen Vorschriften zelebriert werden. Der geplante Festsaal soll für all diese religiösen Feste einen würdigen Rahmen bieten. Aufgrund der nahen räumlichen Anbindung an den Gebetsraum, sind laute Musik und Tanz nicht im Sinne des Vereins, und zur Wahrung der Andacht und Würde der Moschee auszuschließen….

12. Gästezimmer

.